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Wanderreportagen ABO

Erwachen am Piz Mundaun

Über einen kleinen Wald mit weitreichender Bedeutung, energiereiche Doppelbäume und die Bündner Rigi.
27.02.2026 • Texte und Bilder: Rémy Kappeler
Vom Waldrand des Uaul da Sogn Carli überblicken Wandernde die Surselva.
Eine tolle Aussicht von der Bündner Rigi aus
Ilanz — Morissen, center communal • GR

Eine tolle Aussicht von der Bündner Rigi aus

Wenn es um die Aussicht geht, steht die Bündner Rigi – wie der Piz Mundaun liebevoll genannt wird – dem Zentralschweizer Namensvetter in nichts nach. Diese Frühlingswanderung führt aber nur bis zum gleichnamigen Gasthaus an der Flanke des Berges. Dort wartet ein eindrückliches 180-Grad-Panorama auf die Surselva, zahlreiche Gipfel zeigen sich von ihrer schönsten Seite. Nun gibt es diese Aussicht aber nicht einfach so. Sie muss mit 900 Höhenmetern Aufstieg verdient werden. Dieser beginnt im sehenswerten Städtlein Ilanz. Die Route bleibt wo immer möglich auf Naturwegen, zweimal gibt es aber etwas längere Abschnitte auf Asphalt. Von Weitem schon sieht man das Berghaus Bündner Rigi, das auf 1600 m ü. M. thront. Doch zuerst geht es durch den Wald nach Luven. Im hübschen Dörfchen empfiehlt sich ein Halt am historischen Brunnen, an dem die Wäscherinnen früher arbeiteten. Heute ist hier ein überdachter Picknickplatz. Danach geht es am Waldrand entlang weiter aufwärts, um über ein Strässchen bis Crest zu wandern. Nun führen Wegspuren über Blumenwiesen – ab und zu ein Blick zurück ins Tal darf darüber nicht vergessen werden. Schliesslich ist das Berghaus erreicht. Es wurde 1902 erbaut als eine der ersten Herbergen in der Surselva und hat in der Hauptsaison geöffnet. Während der restlichen Zeit wird es für künstlerische Projekte genutzt. Nun bleibt der Weg auf der Höhe und führt in den Uaul da Sogn Carli. Der Wald wurde 1874 durch eine Stiftung des Schweizer Geologen Arnold Escher von der Linth aufgeforstet. Dieser gilt als Urvater der Schweizer Alpengeologie, da er die erste geologische Karte der Schweiz mitpublizierte. Der Wald ist auf Deutsch nach ihm benannt: Escherwald. Auf einer kleinen Lichtung steht schliesslich die Kapelle Sogn Carli. Über einen sonnigen Abschnitt, gefolgt von einem Waldstück, wandert man hinunter ins Dörfchen Morissen.

zum Wandervorschlag

Der Escherwald an der Ostflanke des Piz Mundaun ist auf den ersten Blick nur ein kleiner Wald. Doch so unscheinbar der Uaul da Sogn Carli auch ist, steht er für eine wichtige Entwicklung. Noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts war das Val Lumnezia nämlich zu grossen Teilen waldfrei, das gerodete Holz wurde zum Bauen und Heizen verwendet, das Land als Weidefläche. Das führte zu Umweltproblemen: Der Boden erodierte, Hänge rutschten, Lawinen und Hochwasser traten vermehrt auf.

Man begann, die Gebiete wieder aufzuforsten. So entstand 1874 auch der Escherwald. Stifter und Förderer war Arnold Escher von der Linth. Der zwei Jahre zuvor verstorbene Geologe hatte 15 000 Franken hinterlassen, die für forstwirtschaftliche Massnahmen gegen Bergschäden eingesetzt werden sollten.

Arnold Escher war der Sohn von Hans Conrad Escher von der Linth, des bekannten Ingenieurs, der von 1807 bis 1822 die Linthkorrektion leitete. Schon als Kind begleitete Arnold seinen Vater auf Forschungsreisen und Ausflügen. Danach studierte er Naturwissenschaften, arbeitete als Geologe und übernahm schliesslich Professuren in Zürich, zuerst an der Universität, dann am Polytechnikum.

Escher widmete sein Leben der Erforschung der geologischen Strukturen der Alpen und prägte damit die moderne Geologie entscheidend mit. Er schuf – gemeinsam mit anderen – die erste geologische Karte der Schweiz. Mit der Entdeckung und Beschreibung der Glarner Hauptüberschiebung ebnete er den Weg für die Theorie der Deckenüberschiebungen und somit der Entstehung der Alpen.


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