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Wanderreportagen ABO

Die verlorene Frucht

Einst als «Brot der Armen» hoch im Kurs, ging die Kastanie im Malcantone TI beinahe vergessen. Bis ein Einheimischer dem Tessiner Kulturgut neues Leben einhauchte. Heute wird die Frucht längst nicht nur als heisse Marroni verspeist.
10.04.2026 • Text und Bilder: Martin Weiss
Mit den gesammelten Kastanien ein Bier mit Marroniextrakt gebraut.
Durch Tessiner Dörfer und Kastanienwälder
Cademario, Kurhaus — Vezio, Paese • TI

Durch Tessiner Dörfer und Kastanienwälder

Auf dieser Wanderung dreht sich viel um die Kastanie. Sie beginnt in der Kastanienselve von Cademario, durchquert den Kastanienhain Induno mit seinen mächtigen Bäumen und schliesslich die Selven von Mugena und Vezio. Die Wanderung beginnt beim Kurhaus in Cademario. Man folgt dem Schild «Alpe Agra 30 min» zurück in Fahrtrichtung Lugano. Nach wenigen Metern beginnt rechts der Anstieg. In einer weiten Schlaufe streift man die Selve von Cademario mit ihren im Frühling noch blattlosen Kastanienbäumen, bevor der Weg in einen hellgrünen Mischwald mündet. Die Abzweigung zu den beiden höchsten Punkten des Hügelzugs kann leicht übersehen werden. Man nimmt den Weg zur Linken, der über Treppenstufen in die Höhe führt. Der Aufstieg wird mit Ausblicken auf den Lago di Lugano und auf die Gipfel vom Monte Lema bis zum Gradicciòli belohnt. Auf der Alpe Agra warten zwei Amphibienschutzweiher in einer saftig grünen Wiese. Nun beginnt der Abstieg, teilweise auf Hartbelag, in Richtung Arosio. Noch vor dem Dorf lockt das Grotto Sgambada mit verführerischen Düften aus der Küche. Ab hier folgt der Weg dem Themenpfad Sentiero del castagno. Nach dem Kastanienhain Induno mit seinen wunderschönen, alten Kastanienbäumen führt die Wanderung auf Hartbelag durch die Dörfer Arosio und Mugena, die beide mit sehenswerten Kirchen aufwarten. Der letzte Wegabschnitt führt durch die Selven von Mugena und Vezio. Er verläuft in schattigen Wäldern mit zartgrünem Frühlingsblattwerk. Wildromantisch sind die Bäche, die in der Jahreszeit viel Schmelzwasser von den Gipfeln des Graducciòli und des Monte Magno ins Tal führen. Das Grà von Vezio, eines der drei letzten noch aktiven Trocknungshäuschen für Kastanien, liegt am Wegrand und kann dank der Infotafel nicht übersehen werden. Die Wanderung endet im verlassen wirkenden Dorf Vezio.

zum Wandervorschlag

Carlo Scheggia kennen alle im Malcantone. Denn der ehemalige Revierförster war es, der in den 1990er-Jahren die Idee hatte, die Kastanien in dieser sonnenverwöhnten Ecke am Luganersee wieder ins Bewusstsein und auf die Teller zu rücken. Nachdem die Bestände jahrzehntelang gelitten hatten, initiierte er zusammen mit der Gemeinde Arosio eine Rekultivierung. Mit Erfolg. Betrugen die Flächen der Kastanienwälder damals nur noch fünf Hektaren, sind es heute über das Zwanzigfache. Zusätzlich entstand der Rundweg Sentiero del Castagno, der durch die lichten Wälder führt und dem diese Wanderung folgt. Am schönsten ist sie zur Blütezeit im Juni oder ab September, wenn die Kastanien reif sind.

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