Hexensabbat-zbz
Wanderreportagen ABO

Bis zum Tode verfolgt

Auf einen Blick: Saint-Ursanne JU
29.05.2026 • Text: Angelika Imhof
«Hexensabbat», 1560-1571, aus der Chronik des Zürcher Pfarrers Johann Jakob Wick. Das Bild stellt den Hexenglauben in der Schweiz während der frühen Neuzeit dar. © Johann Jakob Wick, Nachrichtensammlung, Zürich. Zentralbibliothek Zürich, Ms. F 19, f. 147v
Auf einsamen Jurahöhen bei St-Ursanne
St-Ursanne, gare • JU

Auf einsamen Jurahöhen bei St-Ursanne

St-Ursanne, das mittelalterliche Städtchen am Doubs im Kanton Jura, besticht durch seine gut erhaltene Altstadt und die ruhige Lage zwischen Fluss und Felsen. Doch hinter der idyllischen Fassade verbirgt sich ein düsteres Kapitel: Wie vielerorts in Europa kam es auch in diesem abgelegenen Juratal im 16. und 17. Jahrhundert zu Hexenverfolgungen. Kurz nach dem Start am Bahnhof Richtung Westen biegt der Wanderweg rechts ab und führt auf einem waldigen Skulpturenweg den Hang hinauf. Die Luft ist frisch, Vögel zwitschern, und Schmetterlinge flattern umher. Ein steiler Aufstieg zum Bauernhof Outremont folgt, wo man sich im Hoflädeli mit Spezialitäten eindecken kann. Nach einem weiteren Anstieg ist die Anhöhe über Outremont erreicht. Auf einer Krete führt der Höhenweg nordöstlich durch einen lichten, verträumten Wald. Zur Linken fällt der Blick auf die grüne Ajoie und das benachbarte Frankreich mit den Vogesen. Zur Rechten eröffnet sich ein fantastischer Panoramablick auf die Clos du Doubs, den Chasseral und die Berner Alpen. Schliesslich biegt der Wanderweg in einem rechten Winkel ab und führt über eine Juraweide hinunter zum Hof Montgremay. Die Abzweigung ist signalisiert, aber die Wegspur nur schwer erkennbar. Bei Les Malettes verläuft der Weg kurzzeitig entlang der Passstrasse, und es ist etwas Vorsicht vor dem Verkehr geboten. Wenig später, bei La Caquerelle, bietet sich ein Zwischenstopp im Restaurant an, bevor es über Wiesen und Weiden sanft den Hügel hinuntergeht. Wieder im Tal unten angekommen, findet man sich plötzlich der Autobahneinfahrt von St-Ursanne gegenüber. Ein kurzer, lauter Abschnitt, bevor die Wanderung mit dem imposanten Eisenbahnviadukt Combe Maran, der lauschigen Flusslandschaft und dem etwas weiter flussabwärts gelegenen Altstädtchen nochmals einige Höhepunkte liefert.

zum Wandervorschlag

Idyllisch ist sie, die Rundwanderung, die im mittelalterlichen Städtchen St-Ursanne startet und endet. Doch so friedlich war es nicht immer – zu Zeiten der Hexenverfolgung wurden hier Menschen verfolgt und hingerichtet.

Kurz nach La Caquerelle befindet sich der Roc de l’Autel, eine über vier Meter hohe Kalksteinformation, die sich etwas versteckt neben dem Wanderweg befindet. Es wurde angenommen, dass sich Hexen hier zu heidnischen Tänzen trafen. Unter Folter bestätigten dies einige Frauen. Ein leichter Schauer läuft einem über den Rücken, wenn man sich an diese Zeiten erinnert. Ein Schauer, der in seltsamem Kontrast zur unschuldigen Schönheit der weichen Juralandschaft steht.

St-Ursanne gehörte ab dem 11. Jahrhundert zum Fürstbistum Basel, einem Gebiet, das der weltlichen Herrschaft des Bischofs von Basel unterstand. Das Fürstbistum sticht unter den damaligen Bistümern hervor: Nirgendwo sonst gab es im Verhältnis zur Fläche so viele Hexenprozesse. Zwischen 1549 und 1712 wurden hier 181 Frauen der Hexerei bezichtigt, wie es im «Lexikon des Jura» der Société jurassienne d’Emulation (SJE) heisst. 61 Prozent der Frauen waren verheiratet, 33 Prozent Witwen. Nur 11 Opfer waren ledig.

Ein Grund für die niedrige Anzahl lediger Frauen könnte das hohe Durchschnittsalter der Verfolgten gewesen sein – sie waren im Schnitt rund 60 Jahre alt. In der Regel endeten die Prozesse mit der Todesstrafe durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen.


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