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Wanderreportagen ABO

Diva im Schuppenkleid

Giftig, aber vor allem scheu: Die Kreuzotter verschwindet meist, bevor man sie überhaupt bemerkt. Hilft es, mit einem Schlangenexperten unterwegs zu sein? Eine Exkursion im Glarnerland zeigt es.
29.05.2026 • Text und Bilder: Heinz Staffelbach 
Diese schwarzgefärbte Kreuzotter wärmt sich in der fahlen Sonne auf.
Alpine Rundwanderung im Herzen des Glarnerlandes
Mettmen • GL

Alpine Rundwanderung im Herzen des Glarnerlandes

Zwischen den beiden Glarner Haupttälern, die von Schwanden Richtung Linthal und Elm ziehen, liegt eine fein ziselierte Berglandschaft mit dem Gross Kärpf (2794 m) als höchstem Gipfel. Zusammen mit der Matzlenstock- und der Gandstockkette bildet sich eine grosse, u-förmige Gipfelkette um den Stausee Garichti im Herzen des Gebietes. Das Gebiet ist das älteste erhaltene Wildschutzgebiet in Europa und wurde besonders zum Schutz von Gämsen, Rothirschen und Steinböcken eingerichtet. Weniger bekannt ist, dass es auch für Kreuzottern gute Lebensräume bietet. Die Tiere brauchen sowohl Höhlen und Spalten als Versteck als auch ein gutes Angebot von kleinen Nagern als Beute. Beides finden sie an Plätzen mit reichlich Steinen und einer guten Kraut- und Strauchschicht. Eine lohnende, etwa dreieinhalbstündige Rundwanderung führt in einem grossen Bogen von der Bergstation Mettmen zum Seebödeli, unter dem Gandstock durch und zurück zum Ausgangspunkt. Die Route verläuft meistens durch locker mit Bäumen oder Wäldchen durchsetzte Alpweiden und in den höheren Bereichen durch freie Wiesen und Weiden; damit hat man fast immer einen tollen Blick hinüber zum Glärnisch oder südlich ins Kärpf-Gebiet und weiter in die Glarner Alpen bis zum Tödi. Ein wunderbares Pausenplätzchen bietet sich beim Seebödeli, beim nördlichsten Punkt der Wanderung, an; hier öffnet sich der Blick auch kurz nach Norden und Osten Richtung Schilt und Spitzmeilen. Die Traverse unter dem Gandstock ist eine weiss-blaue-weisse, alpine Route. Der Weg ist manchmal nicht sichtbar, und im Gebiet Breitrus geht es durch steile Abhänge – die Route sollte man nur bei trockenen Bedingungen angehen. Kurz vor Widerstein steht ein hölzerner Wildbeobachtungsturm, dann geht es hinab zum Stausee Garichti und zurück zur Bergstation der Luftseilbahn.

zum Wandervorschlag

«Sie ist eine kleine Diva. Sie lässt sich nur blicken, wenn alles stimmt und es ihr passt», sagt Thomas Reich mit einem Augenzwinkern. «Ist es zu kalt, kommt sie nicht aus ihrem Versteck, ist es zu warm, erscheint sie ebenfalls nicht an der Oberfläche. Und bei zu starkem Wind oder Regenwetter sind die Chancen erst recht nahe null.»

Was Thomas hier über die Kreuzotter erzählt, basiert auf langjähriger Erfahrung. Denn er hat zusammen mit seinem Kollegen Jürgen Kühnis das umfassende Werk «Amphibien und Reptilien im Kanton Glarus» verfasst und dafür an unzähligen Tagen die hintersten Winkel des Kantons durchforstet. Heute sind wir nun hoch über Schwanden unterwegs, in der Umgebung des Stausees Garichti. Die Mission: Kreuzottern entdecken, und vielleicht Ringelnattern oder gar eine Schlingnatter.

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