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Wanderreportagen ABO

Waldlabor gegen den Klimawandel

Hoch über dem Ceneri-Basistunnel wurde nach Baumarten geforscht, welche die in den 1950er-Jahren bedrohte Kastanie hätten ersetzen können. Heute steht das Arboreto di Copera im Zeichen des Klimawandels. Zu Besuch im Wald der Zukunft.
29.05.2026 • Text: Daniel Fleuti, Bilder: Sandra und Stefan Grünig Karp
Blick von etwas unterhalb des Mattro auf die Magadinoebene und die Autobahn, die auf den Ceneri führt. Die Bahngeleise verschwinden im Berg.
Schaukelerlebnis über dem Ceneritunnel
Isone, Paese — S. Antonino, Paese • TI

Schaukelerlebnis über dem Ceneritunnel

Was für ein Gefühl, auf einer grossen Schaukel hin- und herzuschwingen und den Lago Maggiore, die Magadinoebene und Bellinzona zu Füssen zu haben. Das spektakulär-luftige Erlebnis gibt es auf dem Gipfel des Mattro, eines unscheinbaren Bergs über dem Ceneri-Basistunnel. Für den Adrenalinkick nimmt man einiges an Höhenmetern auf sich. Zudem ist der Pfad auf den Gipfel nicht markiert und erfordert Schwindelfreiheit und sicheren Tritt. Die Wanderung beginnt im hübschen Dorf Isone. Durch Buchen- und Kastanienwälder gelangt man in moderater Steigung zur Alp Pedrinasco. Etwa eine Viertelstunde nach der Alp weist ein markierter Stein den Weg auf den Mattro. Erst hier verlässt man den signalisierten Wanderweg. Das weisse Abzweigerschild mit der Schaukel bei der Alp Pedrinasco wird ignoriert, dieser Weg führt nicht ans Ziel. Hat man den Mattro geschafft, geht es an den Abstieg nach S. Antonino – mit eindrücklichem Tiefblick aufs Wirrwarr aus Strassen und Schienen, wo hinter Bellinzona die Züge im Ceneri-Basistunnel verschwinden und die Autos sich auf der Passautobahn drängen. Nach Cima di Dentro ist der Wald erneut treuer Begleiter, manch knorrige Kastanie säumt den Weg. Beim Punkt 576 / Monte dei Pedrelli wartet der zweite Leckerbissen des Tages. Ein Abstecher auf der Waldstrasse Richtung Pianaccio führt zum Arboreto Copera. Die nicht öffentlich zugängliche forstliche Versuchsfläche Copera wurde in den 1950er-Jahren mit 71 Baumarten bepflanzt, davon 49 exotischen. Es ging darum, herauszufinden, welche Arten sich als Alternative zur Kastanie eignen könnten, die damals von Kastanienrindenkrebs befallen war und deren Aussterben man befürchtete. Die Krankheit war weniger aggressiv als angenommen, die Tessiner Kastanien haben überlebt. Auf dem Arboreto Copera – einem Lehrpfad – kann man die Bäume aus dem Versuchsprojekt kennenlernen. Befindet man sich wieder auf dem Wanderweg, steigt dieser durch den Wald nochmals ordentlich bergab. Nimmt der Lärm der Autobahn überhand, ist das Ziel nicht mehr weit.

zum Wandervorschlag

Die Douglasie ist ein mächtiger Baum. Bis zu 60 Meter hoch wird sie, einer der grössten Nadelbäume Europas. Viel Zeit braucht sie nicht, um ihre Grösse zu erreichen. Sie wächst doppelt so schnell wie die Fichte, ihre Rinde macht den Anschein, als platze der Baum aus allen Nähten. Zudem wird die Douglasie sehr alt: Bis zu 700 Jahrringe kann sie zählen, bevor sich ihr Lebenskreis schliesst. Steht man vor der Gruppe kegelförmiger Douglasien im Wald oberhalb von Sant'Antonino, einem Dorf in der Tessiner Magadinoebene, staunt man nicht schlecht ob der stattlichen Bäume, die einen hier empfangen.

Nicht weit davon entfernt macht sich eine andere Baumart breit: die Roteiche. Sie wird mit 25 bis 30 Metern zwar nicht annähernd so hoch wie die Douglasie, dafür kann ihre rundliche Krone bis zu 20 Meter breit werden – ganz schön ausladend. Im Herbst verzaubert sie mit ihrem leuchtend roten Laub und ist weitherum zu sehen.

Von Natur aus gehören weder die Douglasie noch die Roteiche ins Tessin – genauso wenig wie die anderen 47 exotischen Baumarten, die sich im Wald bei Sant'Antonino dazu gesellen. Sie sind Teil eines Forschungsprojekts, das 1957 gestartet ist und an dessen Ursprung eine weitverbreitete Baumart steht: die Edelkastanie.

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