1
Praktisch

Helfer am Handgelenk

GPS, Smartphone, Multifunktionsuhr – das Angebot an digitalen Helfern fürs Wandern ist so gross wie nie. Doch braucht man sie auf den Schweizer Wanderwegen überhaupt? Ein Marktüberblick über Hilfreiches und Verzichtbares.
30.10.2025 • Text: Thomas Ebert / Outdoor Content Hub, Bilder: zVg
Die Multifunktionsuhr ist heute weit verbreitet und hat das GPS-Gerät abgelöst.

Wer ans Ziel kommen will, muss den Weg kennen. Oder greift zum Mobiltelefon. Trotz hervorragender Mobilfunkabdeckung gibt es allerdings auch in der Schweiz genügend Orte, an denen ein GPS-Gerät nach wie vor sinnvoll sein kann.

GPS früher und heute

1999 brachte Garmin sein erstes GPS-Handgerät für Wandernde auf den Markt – und dominiert diese Produktkategorie bis heute. Wesentlich leichter und kompakter sind die Handgeräte seither zwar nicht geworden, aber mit Farb- und Touchdisplay samt Kartenoberfläche und wochenlangen Akkulaufzeiten um ein Vielfaches bedienungsfreundlicher.

Einen Meilenstein markierte das Jahr 2017: Garmins Inreach-Technologie ermöglichte Freizeitwandernden erstmals nicht nur die Navigation, sondern auch die Kommunikation via Satellitennetz, wenn kein Mobilfunknetz zur Verfügung steht. Das kann im Notfall lebensrettend sein. Bis 2022 registrierte Garmin mehr als 10 000 via Inreach abgesetzte Notrufe – die meisten davon von Wandernden. Ob man diese Technik als Durchschnittswandernde braucht, hängt primär davon ab, wie häufig man in Gebieten mit schwachem Mobilfunknetz unterwegs ist.

1

GPS-Geräte machen an abgelegenen Orten Sinn – auch in der Schweiz.

Aktuelles Flaggschiff ist das im September 2025 erschienene GPSMAP H1i Plus von Garmin. Als klassisches GPS-Handgerät mit potenten Antennen, physischen Tasten, langer Akkulaufzeit und militärischen Robustheitsstandards hat es seine Berechtigung dort, wo Smartphones – und deren Bedienung – an ihre Grenzen kommen, etwa auf grossen Skidurchquerungen, Trekkingreisen und Expeditionen. Für die Nutzung des integrierten Inreach-Moduls, das Satellitenkommunikation erlaubt, ist allerdings ein kostenpflichtiges Abo nötig.

Multifunktionsuhren boomen

Die einst grosse Vielfalt an GPS-Handgeräten ist heute aber ausgedünnt. Das hat zwei Gründe: Jedes handelsübliche Smartphone verfügt heute über GPS, in Verbindung mit einer guten Navigationsapp (siehe App-Tipps) macht es für die meisten Wanderungen in der Schweiz das GPS-Handgerät obsolet. Inzwischen sind auch Top-Smartphones wie das iPhone 16, das Google Pixel 9 oder Samsungs Galaxy S25 mit Satellitenkommunikation versehen, sodass auch das Alleinstellungsmerkmal von Inreach bröckelt.

Wer wandern geht, will sich in der Regel aber nicht verlieren, sondern eher selbst entdecken – Selbstoptimierung und bewusstes Leben sind hier die Stichworte des Zeitgeists. Die Erfüllungsgehilfen dafür sind Smartwatches. Diese sind nicht nur bei Wandernden beliebt, sondern auch beim schrittzählenden Schreibtischtäter, der Halbmarathonaspirantin oder dem Yogafan. Die breite Nachfrage aus dem Health-Segment hat die Entwicklung der Smartwatches beschleunigt, den Wettbewerb belebt und das Angebot vergrössert – davon profitieren auch Wandernde.

Technische Fortschritte

Wer vor rund zehn Jahren mal eine Multifunktionsuhr am Handgelenk hatte, wird über die Entwicklungssprünge staunen: Blitzschnell ist heute das GPS-Signal da. Die Bedienoberflächen ruckeln nicht, sondern gleichen dem Smartphone: gestochen scharfe und auch bei grellem Sonnenlicht gut ablesbare Karten direkt am Handgelenk. Beeindruckende Akkulaufzeiten, selbst mit 24/7 eingeschalteter Herzfrequenzmessung. Und wo man früher noch über eine schnöde Gratulation der Smartwatch zur bisher längsten Wanderung schmunzelte, verkündet heute schon nach der ersten Aktivität ein KI-Trainer das passende Work-out.

Kontrolle am Handgelenk

Doch was haben Wandernde davon, dass aktuelle Multifunktionsuhren Hunderte Aktivitätsprofile bereithalten, vom Poolschwimmen über Ruderergometer bis Bowling? Generell gilt: Je wichtiger einem der sportliche Aspekt des Wanderns ist, desto mehr hat man von so einer Uhr.

Aber auch Genusswandernde freuen sich, wenn dank der Navigation am Handgelenk das Handy öfter in der Tasche bleiben kann. Und beruhigend für Daheimgebliebene können Live-Tracking-Funktionen sein, über die man Routen mitverfolgen kann.

Messungen im Hintergrund

Die Fortschritte bei der Messgenauigkeit sind schliesslich nicht von der Hand zu weisen. Die Zukunft, in der solche Uhren als zertifizierte Medizingeräte Diagnosen stellen, ist nicht fern. Eine verlässliche optische Herzfrequenzmessung hilft auch beim Wandern, nicht zu überpowern. Und die in Topmodellen verfügbare Messung der Sauerstoffsättigung ist ein wichtiger Indikator, wie gut die Akklimatisierung auf dem mehrtägigen Höhenweg gelingt.

Moderne Uhren verarbeiten all diese Daten im Hintergrund und geben in Balkendiagrammen Auskunft über die persönliche Tagesform und die Schlafqualität. Zentraler Wert ist hier die sogenannte Herzfrequenzvariabilität (HRV) zwischen aktiven Phasen und Ruhezeiten.

Ratschläge von der KI

Was erhoben wird, will verwertet werden: Auch auf den zweiten Blick kaum überschaubar sind die Statistiken zu Fitnesslevels, Schwellenwerten, Ermüdungsgraden, Trainingsbelastungszonen, Stressniveaus und Metabolic Rates, die am Ende einer getrackten Wanderung stehen.

Wohin die Reise geht, zeigt der Breitenradsport: Dort sind Apps, die Laboranalysen samt Laktatmessung und Trainingsplanung ersetzen sollen, längst verbreitet. Auch Garmin hat seine App Connect bereits um einen kostenpflichtigen Premiumbereich erweitert, der «KI-basierte, personalisierte Insights und Hinweise basierend auf den 24/7 Gesundheits- und Trainingsdaten» bereithält.

Wichtige Vernetzung

Bei all dem Fortschritt bleiben aber auch Wünsche offen: Etwa eine richtig flache Uhr, die mit engen Jackenbündchen harmoniert. USB-C-Buchsen an den Uhren statt herstellereigener Ladekabel. Die Möglichkeit, amtliche Karten wie die von Swisstopo in Uhren einzubinden. Und Fortschritte bei der Vernetzung mit Geräten und Sensoren von Drittanbietern.

Aktuelle Rechtsstreitigkeiten zwischen Strava und Garmin zeigen, dass hier mit harten Bandagen gekämpft wird. An dieser Stelle ein Tipp: Wer vor einem Neukauf steht, tut gut daran, nicht nur die Uhren, sondern auch die Apps der Hersteller auf Herz und Nieren zu prüfen. Denn ohne sie geht bei der Tourenplanung und -auswertung nicht viel, und die Unterschiede sind beträchtlich.

Mensch und Technik in Balance 

Egal ob GPS-Handgerät, Smartphone oder Multifunktionsuhr: Der Mensch ist heute so gläsern wie nie – warum sollte er das nicht nutzen? Natürlich erfordern auch Navi-Apps etwas Orientierungssinn – aber allein die Standortbestimmung per GPS ist im Gebirge ein unschlagbarer Mehrwert, die Satellitenkommunikation bei anspruchsvollen Touren im Notfall unter Umständen überlebensnotwendig.

Im Umgang mit Technik bleibt aber, auch beim Wandern, zentral: Die Technik soll uns dienen, nicht wir ihr. Gemäss der Amputationstheorie des kanadischen Philosophen Marshall McLuhan, wonach der Mensch mit jeder neuen technischen Möglichkeit eine Fähigkeit verliert, tun wir gut daran, uns gerade beim Wandern der Technik nicht hemmungslos auszuliefern. Wirklich nützlich, erhellend und erleichternd sind GPS, Apps und Uhren erst dann, wenn man sie a) bedienen kann, ohne in der Anleitung nachschlagen zu müssen; b) den Funktionsumfang an seine persönlichen Vorlieben angepasst hat; c) die Vernetzung mit Smartphone oder PC reibungslos funktioniert und d) man bereit ist, sich mit Datenschutz, Kartenverwaltung und Software-Updates auseinanderzusetzen. All das braucht Zeit, mitunter auch Nerven. Wer sie investiert, für den kann Technik auch dort bereichernd sein, wo wir eigentlich abschalten wollen.


Apps und Gadgets: acht Tipps

1. Karten: Geheimtipps für Grenzgänger

Weil die unübertroffen guten Swisstopo-Karten Entwicklern nahezu frei zur Verfügung stehen, können Wandernde auch im Planungstool der Schweizer Wanderwege auf diese Kartenbasis zurückgreifen. Somit sind, zumindest innerhalb der Schweiz, Dienste wie Komoot, Outdooractive oder Strava eigentlich überflüssig.

Drei Geheimtipps für alle, die weiter wandern wollen: Günther Schmudlach, der Kopf hinter dem Lawinentool Skitouren Guru, hat die amtlichen und gemeinfreien Karten der Schweiz, Österreichs und Bayerns verknüpft und als Kartensatz bereitgestellt – samt Anleitung, wie man die Daten in einer Kartenapp (z.B. Osmand) nutzt. Frankreich und Italien sollen folgen.

Unter den unzähligen Anbietern kostenfreier Topo-Karten zählt die Outdoor-Karte der tschechischen Firma Mapy zu den besten: Auf die detaillierte und weltweite Karte greift etwa auch der Schweizer Hike-&-Fly-Star Chrigel Maurer bei seinen grenzüberschreitenden Touren gerne zurück.

Und die wohl schönste Karte auf OSM-Basis bietet Mapout – leider nur für Apple-Nutzer.

zum Skitourenguru

2. Rega-App und Wetter: auf der sicheren Seite

Wer im Notfall Hilfe rufen muss, macht das am besten über eine Rettungsapp. Denn damit werden zugleich die aktuellen Koordinaten an die Einsatzzentrale übermittelt, dazu auch andere Informationen wie etwa der Akkustatus. Anschliessend wird, minimales Mobilfunknetz vorausgesetzt, ein Anruf aufgebaut. In der Schweiz sollte daher die Rega-App bei allen Wandernden auf dem Smartphone installiert sein. Für Touren in Tirol, Südtirol oder Bayern empfiehlt sich die ähnlich funktionierende App SOS EU Alp.

Immer ein Sicherheitsfaktor ist das Wetter. Mit Apps wie Meteoswiss, SRF Meteo oder Landi Wetter hat man hierzulande drei gute Dienste zur Verfügung.

Im Ausland ist die App YR des norwegischen Wetterdienstes mit globaler Abdeckung eine gute Alternative für grossräumige Wetterlagen.

1

3. Bestimmungsapps: für Besserwisser

Wie heisst der Gipfel dort hinten? Welche Pflanze blüht da so schön? Und was war das für ein Lied, das sich als Ohrwurm auf der Wanderung eingebrannt hat? Bei Fragen wie diesen haben Schlaumeier und solche, die sich dafür halten, inzwischen keine Chance mehr. Denn dank KI sind Lexika, Archive und Atlanten überflüssig. Wer Pflanzen unterwegs bestimmen will, hält sich an Flora incognita, für Vogelstimmen ist die App Birdnet von Stefan Kahl erste Wahl.

Das Gipfelpanorama erklärt der Klassiker Peakfinder, und Songschnipsel erkennt der Soundhound (übrigens auch dann, wenn man sie nachsingt oder pfeift). Alle Apps sind kostenfrei für Android und iOS verfügbar.

1

4. Heat-it: Mückenstiche wegzappen

Bereits seit Längerem sind in Apotheken sogenannte Mückenstifte erhältlich, die durch Wärmebehandlung den Juckreiz von Stichen lindern. Dasselbe Prinzip verfolgt Heat-it mit seinem ultrakompakten Plug-in fürs Smartphone, das ja ohnehin immer dabei ist. Ein kurzer Wärmereiz (ca. 51 Grad für 5 bis 7 Sekunden) unterbricht dabei die Reizweiterleitung und unterdrückt so das Kratzbedürfnis. Was wir beobachtet haben: Die ansprechend gestaltete und leicht zu bedienende App trägt, vor allem bei Kindern, auch psychologisch dazu bei.

5. Knochenschall: Unterhaltung ohne Abschottung

Knochenschallhörer sitzen nicht auf oder im Ohr wie klassische Kopfhörer oder Ohrstöpsel, sondern vor dem Ohr und liegen im Bereich der Schläfen leicht an. Der Gehörgang bleibt also frei. Die Tonsignale werden in Vibrationen umgewandelt, die über Knochen zum Innenohr gelangen und dort wieder in Töne übersetzt werden. Das ist hygienisch, frei von jedem Druckgefühl am Ohr und der typische Vorwurf, man schotte sich mit Kopfhörern von der Natur ab, greift nicht mehr – man hört auch Bäche plätschern, die Sohlen im Schnee knirschen und die Unterhaltung mit der Wanderbegleitung. Ausserdem ist es möglich, die Dinger (z.B. Suunto Wing 2, Shokz Open Run Pro 2) so leise zu machen, dass der Bettnachbar nahezu nichts mitbekommt. Die Akkulaufzeiten liegen bei etwa acht bis zwölf Stunden.

6. Powerbanks: Ohne Strom läuft nichts

Kamera, Navigationsgerät, Botanisiertrommel oder gar Zahlungsmittel: Das Smartphone ist längst die Schaltzentrale auf Wandertouren. Spätestens für Mehrtagestouren braucht es deshalb einen Stromspeicher im Gepäck – übrigens auch auf Hüttenwanderungen, denn nicht auf jeder Schutzhütte ist Laden problemlos möglich oder gern gesehen. Die Entwicklungszyklen von Powerbanks sind kurz, das Verhältnis von Packmass zu Performance inzwischen absolut rucksacktauglich, die Preise dank Massenproduktion niedrig. Verlässliche Qualität findet man z.B. bei Nitecore, Anker oder Iniu. Für Flugreisende: Gängig ist derzeit die Regelung von max. zwei Powerbanks mit je 100 Wattstunden (was rund 27 000 mAh entspricht) pro Passagier, und zwar im Handgepäck.

7. Schnellladegerät: Einfach das Beste rausholen

Versierte Wandernde wissen es: Wer die dünne Standardeinlegesohle gegen eine hochwertige Alternative tauscht, holt viel mehr aus seinem Wanderschuh heraus. Dasselbe gilt im Grunde genommen für Ladegeräte. Die üblichen beigelegten Ladestecker – falls überhaupt noch welche beiliegen – sind einem Schnellladegerät mit 65 oder gar 100 Watt Leistung und mehreren USB-C-Ausgängen hoffnungslos unterlegen. Für um die 30 Franken gibt es Schnelllader, die Smartphone, Smartwatch und Laptop gleichzeitig in wenigen Stunden laden. Für Vielflieger auch in Kombination mit Reisesteckern erhältlich.

8. Virtuelle SIM-Karten: Datenpakete vorab buchen

Vorbei die Zeiten, als einen nach Ankunft im Urlaubsland der erste Gang zu einem Mobilfunkanbieter zwang, um eine Prepaid-SIM-Karte zu erwerben. Bei E-SIM-Anbietern wie Holafly, Saily oder Airalo kann man schon vorab und tagesgenau Datenpakete für jedes beliebige Zielland buchen und direkt im Smartphone über eine virtuelle SIM-Karte nutzen. Zu beachten ist, dass die Angebote in der Regel nur Datenpakete beinhalten. Telefonieren sollte man dann am besten über Apps wie Facetime oder WhatsApp. Quasi jedes Smartphone, das jünger als sieben Jahre ist, ist E-SIM-tauglich.

Das könnte Ihnen auch gefallen

    Tags

    Magazin DAS WANDERN

    Mit Klick auf ein Tag können Sie dieses in Ihrem Account hinzufügen und erhalten auf Ihre Interessen zugeschnittenen Content vorgeschlagen. Tags können nur in einem Account gespeichert werden.

    Artikel wurde dem Warenkorb hinzugefügt.