Wandervorschläge • Schweizer Wanderwege

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Von der Schweibenalp dem Wasser folgend Nr. 2342
Brienzerberg, Bramisegg — Iseltwald, Dorfplatz • BE

Von der Schweibenalp dem Wasser folgend

Eine Alp, die schon die Druiden als Kraftplatz ehrten; ein magischer Wasserfall, dem man nicht nur hautnah folgt, hinter dessen Vorhang man auch durchschlüpfen kann; ein Hotel, das wie ein Märchenschloss aussieht; ein verwunschener Uferweg, der durch einen der letzten Urwälder der Schweiz führt; intime Badeplätze am türkis leuchtenden Brienzersee – diese Wanderung strotzt vor Höhepunkten, konfrontiert zwischendurch aber auch mit Übertourismus, zum Glück aber nur an ein paar Punkten wie rund um das Grandhotel Giessbach, bei der Standseilbahn und an der Schifflände von Iseltwald. Dazwischen ist man oft einsam auf den Pfaden unterwegs. Von der Postautohaltestelle Bramisegg erreicht man über ein in den Fels gehauenes Zufahrtssträsschen südwestlich durch die Giessbachschlucht in nur einer Viertelstunde die Schweibenalp, wo der Permakultur-Erlebnispfad in einen nachahmenswerten Kosmos entführt. Faszinierend auch das Wildbienenbiotop, das in den letzten zwei Jahren entstand. Viele Wild- und Nutzpflanzen sind darauf angewiesen, dass sie von bestäubenden Insekten besucht werden, um überhaupt Samen und Früchte ausbilden zu können. Eine wichtige Rolle unter den Bestäubern nehmen die Honig- und Wildbienen ein. Kaum vorstellbar, dass es an die 700 verschiedene Arten allein in der Schweiz geben soll – solange man ihnen nicht die Lebensgrundlage nimmt. Einmal im Monat finden auf der Schweibenalp Führungen statt, bei denen man viel Hintergrundwissen erfährt. Beim Haupthaus gibt ein gelber Wegweiser die Richtung vor. Ein steiler Pfad windet sich entlang der Wasserfallstufen durch die Giessbachschlucht zum Grandhotel hinunter, wo man entweder mit der historischen Standseilbahn oder über den Wanderweg den Brienzersee erreicht. Weiter geht es auf dem Uferpfad nach Iseltwald.
Durch Champérys Felsenkessel zur Cantine Nr. 2341
Champéry, Grand-Paradis — Champéry, Barme • VS

Durch Champérys Felsenkessel zur Cantine

Diese Wanderung verläuft zum grossen Teil entlang eines imposanten Felsenkessels zwischen den Dents du Midi und den Dents Blanches. Die Wände sind hoch und steil, mehrere Wasserfälle sprudeln mächtig von ihnen auf die grüne Alp herunter. Doch erst muss man sich dieses Naturspektakel etwas erarbeiten. Vom Bahnhof in Champéry wandert man runter nach Les Couailles – oder man nimmt das Touristenbähnli, die Navette, nach Le Grand-Paradis. Dann beginnt der Aufstieg, der aber schon nach einigen Höhenmetern durch die Cascade de la Saufla unterbrochen wird: Bevor der Weg den Bach quert, führt ein kleiner Weg rechterhand zum Wasserfall – der kurze Abstecher lohnt sich. Durch den Wald arbeiten sich die Wandernden anschliessend immer höher, bis sie auf eine Alp kommen. Nun kommt der eingangs erwähnte Abschnitt, der mehrere grosse Bäche quert – einen davon über die Hängebrücke Belle Étoile. Ausgangs des Felsenkessels lohnt sich dann ein Halt im Refuge de Bonavau – nicht nur wegen der Früchtekuchen. Nun steht ein erneuter Anstieg an. Auf dem Bergrücken angelangt, gibt es einen Abstecher zum kleinen Gipfel Signal de Bonavau. Der Blick reicht – an den Dents du Midi vorbei – bis ins Rhonetal. Fortan geht es fast nur noch bergab über Schafweiden und durch Wald. Bis die Ebene von Barme erreicht ist: Dort warten zwei Cantines auf die Wandernden. Es sind ehemalige Alpen, die durchs Aufkommen des Tourismus im 19. und 20. Jahrhundert zu kleinen Restaurants umgebaut worden sind – und heute noch Feines auf den Tisch zaubern. Man ist nicht allein, fährt doch eine Navette von Champéry nach Barme und zurück. Zudem ist es auch mit dem Auto erreichbar. Das tut der Schönheit des Fleckchens aber keinen Abbruch.
Schaukelerlebnis über dem Ceneritunnel Nr. 2340
Isone, Paese — S. Antonino, Paese • TI

Schaukelerlebnis über dem Ceneritunnel

Was für ein Gefühl, auf einer grossen Schaukel hin- und herzuschwingen und den Lago Maggiore, die Magadinoebene und Bellinzona zu Füssen zu haben. Das spektakulär-luftige Erlebnis gibt es auf dem Gipfel des Mattro, eines unscheinbaren Bergs über dem Ceneri-Basistunnel. Für den Adrenalinkick nimmt man einiges an Höhenmetern auf sich. Zudem ist der Pfad auf den Gipfel nicht markiert und erfordert Schwindelfreiheit und sicheren Tritt. Die Wanderung beginnt im hübschen Dorf Isone. Durch Buchen- und Kastanienwälder gelangt man in moderater Steigung zur Alp Pedrinasco. Etwa eine Viertelstunde nach der Alp weist ein markierter Stein den Weg auf den Mattro. Erst hier verlässt man den signalisierten Wanderweg. Das weisse Abzweigerschild mit der Schaukel bei der Alp Pedrinasco wird ignoriert, dieser Weg führt nicht ans Ziel. Hat man den Mattro geschafft, geht es an den Abstieg nach S. Antonino – mit eindrücklichem Tiefblick aufs Wirrwarr aus Strassen und Schienen, wo hinter Bellinzona die Züge im Ceneri-Basistunnel verschwinden und die Autos sich auf der Passautobahn drängen. Nach Cima di Dentro ist der Wald erneut treuer Begleiter, manch knorrige Kastanie säumt den Weg. Beim Punkt 576 / Monte dei Pedrelli wartet der zweite Leckerbissen des Tages. Ein Abstecher auf der Waldstrasse Richtung Pianaccio führt zum Arboreto Copera. Die nicht öffentlich zugängliche forstliche Versuchsfläche Copera wurde in den 1950er-Jahren mit 71 Baumarten bepflanzt, davon 49 exotischen. Es ging darum, herauszufinden, welche Arten sich als Alternative zur Kastanie eignen könnten, die damals von Kastanienrindenkrebs befallen war und deren Aussterben man befürchtete. Die Krankheit war weniger aggressiv als angenommen, die Tessiner Kastanien haben überlebt. Auf dem Arboreto Copera – einem Lehrpfad – kann man die Bäume aus dem Versuchsprojekt kennenlernen. Befindet man sich wieder auf dem Wanderweg, steigt dieser durch den Wald nochmals ordentlich bergab. Nimmt der Lärm der Autobahn überhand, ist das Ziel nicht mehr weit.
Vom Pischahorn ins Unterengadin in zwei Tagen Nr. 2337
Davos Laret — Lavin • GR

Vom Pischahorn ins Unterengadin in zwei Tagen

Das Pischahorn erhebt sich mehr als 1300 Meter über den Vereinatunnel und liegt etwa in der Mitte zwischen dem Weissfluhjoch und dem Piz Buin. Es verpasst zwar die 3000er-Marke knapp, bietet mit seiner freien Lage aber eine atemberaubende Rundsicht über die Gipfel um Davos und das Unterengadin. Und an Tagen mit klarer Sicht sind sogar der Ortler (3905 m) und der Piz Bernina (4048 m) im Süden und Südwesten auszumachen. Der Aufstieg von Davos Laret durch das Mönchalptal ist mit fast 1600 Höhenmetern recht anstrengend. Da lohnt sich ein früher Start, und hilfreich ist zudem, dass es kontinuierlich und fast durchgehend sanft bergauf geht. Auf etwa 2500 Metern liegt ein paar Hundert Meter rechts des Weges der herzförmige, türkis leuchtende Pischasee. Der Aufstieg ist durchgehend weiss-rot-weiss markiert; auf dem Gipfelgrat führt ein kurzer Abschnitt über einen ausgehauenen Weg in einer steilen Felswand, er ist aber bestens mit einem Halteseil gesichert. Vom Hafentälligletscher in den Nordhängen des Pischahorns ist in der Zwischenzeit leider nichts mehr zu sehen. Der Abstieg nach Säss und Vereina führt über unschwieriges Geröll, Felsplatten und schliesslich über Alpweiden. Das Berghaus Vereina sitzt wunderschön auf einer kleinen Schulter beim Zusammentreffen des Vereina-, des Vernela- und des Süser Tals. Der zweite Tag bringt nur noch einen Aufstieg von 650 Metern hoch zum Vereinapass mit sich. Besonders eindrücklich ist die karge Felslandschaft auf dem Pass, und in zwei kristallklaren Seen spiegelt sich die mächtige Pyramide des 3410 Meter hohen Piz Linard, des höchsten Berges des Unterengadins. Der Abstieg durch das Val Sagliains führt im oberen Teil durch felsdurchsetzte Alpweiden; weiter unten ist der Weg oft rumplig und uneben, sodass man nicht wie gewohnt vorwärtskommt. Vorbei an der Umsteigestation Sagliains (kein Zugang für Wandernde) geht es schliesslich zum Bahnhof in Lavin.
Vom Bleniotal in die Leventina Nr. 2338
Acquacalda — Predelp • TI

Vom Bleniotal in die Leventina

Die Wanderung könnte abwechslungsreicher nicht sein. Schon die erste Wanderstunde bietet einen Höhepunkt: Einen Steinwurf vom Pro Natura Zentrum Lucomagno entfernt betritt man das Waldreservat Salvasèca. Es besteht zur Hälfte aus subalpinem Fichtenwald. Die andere Hälfte wird von Lärche und Arve bestockt. Zusammen mit dem äusserst variationsreichen Gelände mit feuchten Hochmooren und felsigen, trockenen Standorten ist die Salvasèca Lebensraum für viele verschiedene Tiere. Auf der Alpe Larecc hat man die Waldgrenze erreicht. Mit der zweiten Wanderstunde erreicht man auch die Baumgrenze. Hoch über der Schlucht des Ri da Larècc steigt man zu einer kargen Hochebene auf, mittendrin der Lago di Cane. Er wird von den zahlreichen Canali di Lareccio gespeist, die von den umliegenden Pizzos fliessen. Interessante Nebensache: Hier – und später auch nach dem Passo Predèlp – befindet man sich auch direkt über dem Gotthard-Basistunnel. Bei Pt. 2231 zweigt man links ab und steigt die nächste Wanderstunde über einsames Gelände zum Passo Predèlp auf, dem Tor zur Leventina. Der Blick auf die Berge ist überwältigend. Eine letzte, grosszügige Wegstunde ist dem Abstieg nach Predèlp gewidmet. Den Wegzeichen folgend, erreicht man die Weiden der Alpe Sasso Jei. Der Weg ab hier ist steil und ab und zu nur als Spur zu erkennen. Zwischen den Grasnarben gilt es, den Schritt gut zu wählen. Auch der Vipern wegen. Sie lieben dieses Gelände. Es ist besonnt und gleichzeitig feucht, mit da und dort Wasser, das aus dem Felsen tritt. So erreicht man schliesslich die Alp Predèlp mit ihrer Busstation. Falls noch Zeit ist – der Bus in Richtung Faido verkehrt am späteren Nachmittag –, lässt sich im nahen Agriturismo bestens verweilen.
«Chriesibluescht» nahe des Gempen Nr. 2335
Arlesheim, Dorf — Gempen, Dorf • BL

«Chriesibluescht» nahe des Gempen

Wann in den Solothurner Jura losziehen? Wenn die Kirschbäume blühen oder die Landschaft schon saftig grün ist? Beides hat seinen Reiz, ist aber nicht gleichzeitig zu haben. Wer die Kirschblüte wählt, muss Anfang bis Mitte April bereit sein, um bei einem Schönwetterfenster gleich losmarschieren zu können. Etwas gemächlicher ist der Frühling zu erleben: Erst im Mai leuchtet die Natur sattgrün. Die Tour beginnt in Arlesheim BL, genauer in der dortigen Ermitage. Es ist ein abgeschiedener Ort der Stille. Die Gartenanlage hat drei Weiher, eine Eremitenklause und zahlreiche kleinere und grössere Höhlen. Auf der Hügelspitze thront das Schloss Birseck. Wer länger an diesem friedlichen Ort weilen möchte, findet auf der Website einen Rundgang mit über 30 Stationen. Nach diesem gemächlichen Start geht es durch Wald und an Felswänden vorbei hinauf zur Schönmatt. Sie ist etwas weniger bekannt für die «Chriesibluescht» als andere Orte und deshalb nicht überlaufen. Zwischen dem gleichnamigen Restaurant und dem Weiler Stollenhäuser stehen über 1000 Obstbäume. Eine wahre Pracht, die leider über Asphalt zu durchqueren ist. Nach Stollenhäuser wird es nochmals etwas steiler, um bald darauf flach und waldig die Schartenflue zu erreichen. Der dortige Turm kann erklommen werden: Dazu braucht es einen Einfränkler, um die Drehtüre zur Treppe zu öffnen. Der Stahlturm ist 28 Meter hoch und verfügt über fünf Etagen. Von der obersten aus blickt man bei gutem Wetter weit ins Baselbiet, ins Elsass, in die Vogesen und in den Schwarzwald hinein. Etwas weniger, aber immer noch genug Weitsicht bieten die Terrasse der Bärgbeiz Gempenturm oder die einfachen Feuerstellen auf der Flue. Danach ist es noch etwa eine halbe Stunde bis Gempen Dorf.
Rund um Neuenburg in die Natur eintauchen Nr. 2336
Neuchâtel — Neuchâtel, Place Pury • NE

Rund um Neuenburg in die Natur eintauchen

Diese Kurzwanderung kann schon sehr früh im Jahr unternommen werden, um den Frühling zu begrüssen. Es ist ein naturnaher Spaziergang rund um Neuenburg, der in der Altstadt endet und je nach Lust mit einer Schiffsfahrt abgeschlossen werden kann. Der Anstieg beginnt auf der nördlichen Seite des Bahnhofs, wo über die Faubourg de la Gare, die Rue de Fontaine-André und über eine Treppe am linken Strassenrand der botanische Garten erreicht wird. Blumen aus aller Welt zeigen sich in thematischen Gärten und Gewächshäusern von ihrer schönsten Seite. Der Park und das dazugehörende Café du Jardin bieten sich zum Verweilen an, bevor der Weg hinauf nach Pierre-à-Bot ansteht. Auch dort gibt es einen Park, ein Ausflugsrestaurant und viel Platz, um sich zu vergnügen. Am westlichen Ende führt der signalisierte Wanderweg zum mächtigen Findling Pierre-à-Bot. Der Rhonegletscher hat ihn in der letzten Eiszeit vom Montblancmassiv hergetragen. Der Wanderweg quert danach zwei Hauptstrassen. Bei der nächsten Möglichkeit biegt man rechts auf einen Waldweg ab, um schon bald auf den nächsten signalisierten Wanderweg zu stossen. Dieser führt durch die Gorges du Seyon, vorbei an weissen, mit Moos bewachsenen Kalkfelsen, welche die leisen Geräusche von der Hauptstrasse ganz unten in der Schlucht vergessen lassen. Bald ist Gor de Vauseyon erreicht, wo Kännel und Mühlenräder ans vorindustrielle Zeitalter erinnern. Beim Restaurant La Maison du Prussien hat sich der Seyon vor langer Zeit tief in den Felsen gefressen. Durch ein kleines Industriegebiet stösst man schliesslich in die Stadt Neuenburg und zum eindrücklichen Château vor. Von hier geleitet einen die Escalier du Château in die Altstadt, wo es rechterhand bis zur Place Pury geht – oder noch weiter bis zur Schifflände.
Im Thurgauer Garten von Karl dem Grossen Nr. 2333
Stettfurt, Dorfzentrum — Hüttlingen-Mettendorf • TG

Im Thurgauer Garten von Karl dem Grossen

Kaiser Karl der Grosse (748 bis 814 n. Chr.) überliess nichts dem Zufall: Um die Macht über sein Riesenreich zwischen Norddeutschland und Nordspanien zu sichern und um auf seinen vielen Reisen stets versorgt zu sein, erliess er die Landgüterverordnung. Diese schrieb unter anderem exakt vor, welche 89 Nahrungs-, Würz-, Heil-, Nutz- und Symbolpflanzen auf seinen Landgütern anzubauen seien. Liselotte und Beat Baumgartner haben im thurgauischen Mettendorf einen Karlsgarten nachgebaut. Die Wanderung führt zu dem Garten und startet in Stettfurt. Nach dem Gang durchs Dorf geht es zügig bergauf zum Schloss Sonnenberg auf dem unter Naturschutz stehenden Imebärg. Zahl- und artenreich blühen die Orchideen im lichten Wald. Das Schloss indes, 2007 von einem österreichischen Financier gekauft, ist zur Dauerbaustelle ohne Besuchsmöglichkeit verkommen. Rasten kann man rund eine halbe Stunde später, auf der wohl grössten Thurgauer Sitzbank. Bestimmt ein Dutzend Menschen geniessen hier die Sicht aufs Tal des Flüsschens Lauche. Der Weg zum Getschhuuserweier und nach Lustdorf zweigt kurz vor Wetzikon TG ab. Hat man das hübsche Dorf passiert, zeigen die Wegweiser nach Felben-Wellhausen. Erneut ist ruhiges Waldwandern angesagt. Für Abwechslung sorgt der Rundweg zu den Frauenschuh-Orchideen im Gebiet Bietehart. Taucht ein altes Hinweisschild «Achtung. Quellwasser Schutzgebiet» auf, verlässt man den signalisierten Wanderweg nach rechts und folgt dem breiten Waldweg. Dieser mündet bald in einen von rechts kommenden Weg, der einen in weiten Kehren nach Mettendorf bringt. Über die Oberdorf- und die Dorfstrasse gelangt man in die Honeggstrasse zum Karlsgarten. Er kann von Mai bis September am Mittwochnachmittag frei besichtigt werden, in der übrigen Zeit auf Voranmeldung (herborama.ch). Die Dorfstrasse und nach Querung der Hauptstrasse die Bahnhofstrasse führen schliesslich zum Bahnhof Hüttlingen-Mettendorf.
Durch Tessiner Dörfer und Kastanienwälder Nr. 2331
Cademario, Kurhaus — Vezio, Paese • TI

Durch Tessiner Dörfer und Kastanienwälder

Auf dieser Wanderung dreht sich viel um die Kastanie. Sie beginnt in der Kastanienselve von Cademario, durchquert den Kastanienhain Induno mit seinen mächtigen Bäumen und schliesslich die Selven von Mugena und Vezio. Die Wanderung beginnt beim Kurhaus in Cademario. Man folgt dem Schild «Alpe Agra 30 min» zurück in Fahrtrichtung Lugano. Nach wenigen Metern beginnt rechts der Anstieg. In einer weiten Schlaufe streift man die Selve von Cademario mit ihren im Frühling noch blattlosen Kastanienbäumen, bevor der Weg in einen hellgrünen Mischwald mündet. Die Abzweigung zu den beiden höchsten Punkten des Hügelzugs kann leicht übersehen werden. Man nimmt den Weg zur Linken, der über Treppenstufen in die Höhe führt. Der Aufstieg wird mit Ausblicken auf den Lago di Lugano und auf die Gipfel vom Monte Lema bis zum Gradicciòli belohnt. Auf der Alpe Agra warten zwei Amphibienschutzweiher in einer saftig grünen Wiese. Nun beginnt der Abstieg, teilweise auf Hartbelag, in Richtung Arosio. Noch vor dem Dorf lockt das Grotto Sgambada mit verführerischen Düften aus der Küche. Ab hier folgt der Weg dem Themenpfad Sentiero del castagno. Nach dem Kastanienhain Induno mit seinen wunderschönen, alten Kastanienbäumen führt die Wanderung auf Hartbelag durch die Dörfer Arosio und Mugena, die beide mit sehenswerten Kirchen aufwarten. Der letzte Wegabschnitt führt durch die Selven von Mugena und Vezio. Er verläuft in schattigen Wäldern mit zartgrünem Frühlingsblattwerk. Wildromantisch sind die Bäche, die in der Jahreszeit viel Schmelzwasser von den Gipfeln des Graducciòli und des Monte Magno ins Tal führen. Das Grà von Vezio, eines der drei letzten noch aktiven Trocknungshäuschen für Kastanien, liegt am Wegrand und kann dank der Infotafel nicht übersehen werden. Die Wanderung endet im verlassen wirkenden Dorf Vezio.
Kastanienselven und ein Grat im Malcantone Nr. 2330
Arosio, Paese — Astano, Paese • TI

Kastanienselven und ein Grat im Malcantone

Arosio ist sozusagen der Kastanienhauptort des Tessins. Im kleinen Dorf in Balkonlage begann Mitte der 1990er-Jahre die Wiederbelebung der traditionellen Tessiner Kultur – heute werden die Selven wieder gepflegt und bewirtschaftet. Während Jahrhunderten war das sogenannte Brot der Armen die Lebensgrundlage vieler Bauernfamilien – die Früchte zum Essen, das Holz zum Bauen, die Blätter als Streu fürs Vieh. Mit der Industrialisierung und Abwanderung wurden die sorgsam gepflegten Selven aufgegeben. In Arosio startet der Aufstieg zur zweitägigen Gratwanderung. Der Weg, am Anfang asphaltiert, steigt vorerst sanft und schattig an bis La Bassa. Dort weicht der Wald eher buschartiger Vegetation, was den steiler werdenden Aufstieg zum Gradicciòli zur aussichtsreichen und je nachdem auch schweisstreibenden Angelegenheit macht. Von dem mit einem imposanten Kreuz markierten Gipfel des Gradicciòli ist die Rundsicht überwältigend: Man sieht über die Stadt Lugano hinweg Richtung Mendrisiotto und Grossraum Mailand genauso wie bis zu den Walliser Hochalpen. Vom Gradicciòli biegt man ein auf den Weg der bekannten Wanderung zwischen Monte Tamaro und Monte Lema. Der Gratweg ist breit und einfach begehbar, stets hat man die beiden grossen Tessiner Seen vor Augen, den Lago Maggiore auf der einen, den Lago di Lugano auf der anderen Seite. Auf dem Monte Lema gibt es eine einfache Übernachtungsgelegenheit. Aber auch die Option, für die Nacht mit der Seilbahn hinunter nach Miglieglia zu fahren. Am zweiten Wandertag gibt es einen gepflegten, meditativen Abstieg praktisch auf der Grenze zwischen der Schweiz und Italien. Auf einem angenehmen ehemaligen Maultierpfad verlässt man den sonnigen Grat, taucht zuerst in Birken- und später in Buchenwälder ein, ehe das Grenzdorf Astano erreicht wird.
Voller Energie oberhalb von Cademario Nr. 2332
Cademario, Lisone — Castelrotto, Ospedale • TI

Voller Energie oberhalb von Cademario

Cademario ist ein besonderer Ort. Nach der Fahrt auf einer kurvenreichen Bergstrasse öffnet sich hier eine herrlich weite Landschaft. Claudio Andretta, Autor des Bestsellers «Orte der Kraft im Tessin» schreibt: «Auf den Hügeln und in den Wäldern rund um das Kurhaus fand ich mehrere Kraftorte vor, die geeignet sind, uns Vitalität zu geben und uns energetisch aufzuladen.» Einer dieser Hügel ist mit einer Kapelle gekrönt. Dieser strebt man von der Postautohaltestelle «Cademario, Lisone» nach Süden entgegen. Gleich beim Parkplatz geht es in den Wald und unter mächtigen Kastanien hindurch auf den Hügel von S. Bernardo. Wunderschön der Blick nicht nur nach Cademario und zum Pizzo di Claro, sondern auch in die andere Richtung über die Häuser von Novaggio hinweg zur Eisbastion des Monte Rosa. Der Abstieg führt zur Lichtung ob Iseo, wo sich bei der Weggabelung am Ristoro ai Gelsi nach links der Abstecher zur Kirche Santa Maria lohnt, die einen besonderen Blick zum Lago di Lugano schenkt. Beim Dörfchen Iseo wandert man nordwestlich an Rustici vorbei ins stille Val di Pre Murasca hinab und im Gegenanstieg nach Aranno. Eine alte Mulattiera führt westlich zur Magliasina hinunter, wo glasklare Badepools zur Erfrischung locken. Am anderen Ufer geht es erneut bergwärts und bei der Weggabelung links im Bogen um einen Hügel nach Curio mit seinem sehenswerten Museo del Malcantone, in dem man viel über Brauchtum und Auswanderung erfährt. Von Curio leitet der Wanderweg durch eine Wiesensenke nach Feredino und dann nach Biogno. Auf der Piazza biegt die Route links in einen Wiesenweg. Kurz bevor dieser auf die Strasse stösst, kann man links durch ein Gatter das Gelände des Weinguts Vallombrosa mit einer Open-Air-Kunstausstellung betreten. Am Agriturismo vorbei und über die Strasse ist gleich Castelrotto erreicht.
Üppiger Wald und ein Wasserfall im Malcantone Nr. 2329
Miglieglia, Paese • TI

Üppiger Wald und ein Wasserfall im Malcantone

Diese Wanderung durchs Malcantone bietet viel Natur – und eine kleine Lektion Geschichte. Die Dörfer Breno und Miglieglia lieferten sich während Jahrhunderten eine Fehde um den Flecken Land namens Tortoglio. Zum Glück konnten die Streitereien Anfang des 20. Jahrhunderts beigelegt werden. Zwei Brunnenfiguren in den Dörfern erinnern noch daran: der Asino di Breno und das Mulo di Miglieglia. Bis heute necken sich die Menschen mit diesen Übernamen: Jene aus Breno werden Esel genannt, jene aus Miglieglia Maultiere. Die Wanderung beginnt in Miglieglia. Man wandert südwärts Richtung Novaggio und von dort über den Bergwanderweg hinunter an die Magliasina. Dichter Wald, viel Farn und Moos sorgen für saftiges Grün. Es geht auf und ab durch die Hügellandschaft, bevor man – erneut dem Flüsschen entlang – durch einen Auenwald mit Weisserlen Maglio erreicht. Dort lädt ein malerischer Wasserfall mit tiefen Becken zum Abkühlen ein. Daneben liegt die restaurierte Hammerschmiede von 1860, die von einem Wasserrad angetrieben wurde. Sie kann von April bis Oktober besichtigt werden. Daneben gibt es einen kleinen Kiosk. Am Ufer der Magliasina geht es weiter bis Rencé, wo der Aufstieg nach Breno ansteht. Es lohnt sich, noch etwas durch die engen und mit Natursteinen gepflasterten Gässlein zu schlendern. Der Eselsbrunnen liegt direkt am Wanderweg, der einen anschliessend in Kastanienwälder entführt. Bei Tortoglio steht eine kleine Kapelle, in der eine Gedenktafel an die Versöhnung der beiden Dörfer 1907 erinnert. Das letzte Stück Weg schlängelt sich durch den Wald, bevor es – über den Hügel mit der Kirche und durchs schöne Dorf – an der Bushaltestelle «Miglieglia, Paese» beim Brunnen endet, dessen Maultier aus Bronze mit den Hinterbeinen in Richtung Breno ausschlägt.
Eine tolle Aussicht von der Bündner Rigi aus Nr. 2328
Ilanz — Morissen, center communal • GR

Eine tolle Aussicht von der Bündner Rigi aus

Wenn es um die Aussicht geht, steht die Bündner Rigi – wie der Piz Mundaun liebevoll genannt wird – dem Zentralschweizer Namensvetter in nichts nach. Diese Frühlingswanderung führt aber nur bis zum gleichnamigen Gasthaus an der Flanke des Berges. Dort wartet ein eindrückliches 180-Grad-Panorama auf die Surselva, zahlreiche Gipfel zeigen sich von ihrer schönsten Seite. Nun gibt es diese Aussicht aber nicht einfach so. Sie muss mit 900 Höhenmetern Aufstieg verdient werden. Dieser beginnt im sehenswerten Städtlein Ilanz. Die Route bleibt wo immer möglich auf Naturwegen, zweimal gibt es aber etwas längere Abschnitte auf Asphalt. Von Weitem schon sieht man das Berghaus Bündner Rigi, das auf 1600 m ü. M. thront. Doch zuerst geht es durch den Wald nach Luven. Im hübschen Dörfchen empfiehlt sich ein Halt am historischen Brunnen, an dem die Wäscherinnen früher arbeiteten. Heute ist hier ein überdachter Picknickplatz. Danach geht es am Waldrand entlang weiter aufwärts, um über ein Strässchen bis Crest zu wandern. Nun führen Wegspuren über Blumenwiesen – ab und zu ein Blick zurück ins Tal darf darüber nicht vergessen werden. Schliesslich ist das Berghaus erreicht. Es wurde 1902 erbaut als eine der ersten Herbergen in der Surselva und hat in der Hauptsaison geöffnet. Während der restlichen Zeit wird es für künstlerische Projekte genutzt. Nun bleibt der Weg auf der Höhe und führt in den Uaul da Sogn Carli. Der Wald wurde 1874 durch eine Stiftung des Schweizer Geologen Arnold Escher von der Linth aufgeforstet. Dieser gilt als Urvater der Schweizer Alpengeologie, da er die erste geologische Karte der Schweiz mitpublizierte. Der Wald ist auf Deutsch nach ihm benannt: Escherwald. Auf einer kleinen Lichtung steht schliesslich die Kapelle Sogn Carli. Über einen sonnigen Abschnitt, gefolgt von einem Waldstück, wandert man hinunter ins Dörfchen Morissen.
Wo einst am Rhein der Salzhandel blühte Nr. 2326
Diessenhofen — Schaffhausen • TG

Wo einst am Rhein der Salzhandel blühte

Die Via Rhenana macht als eine der zwölf Hauptrouten von Kulturwege Schweiz eine der wichtigsten Wasserstrassen der alten Eidgenossenschaft erlebbar: den Hochrhein zwischen Kreuzlingen und Basel. Auf 195 Kilometern Länge führt sie durch eine Kulturlandschaft, die geprägt ist vom Fluss, von seiner Geschichte und vom Salzhandel, der auf dem Hochrhein abgewickelt worden ist. Der Abschnitt zwischen Diessenhofen und Schaffhausen bietet viel Abwechslung zwischen üppiger Natur und quirligem Stadtleben. Diessenhofen besitzt die grösste mittelalterliche Altstadt im Thurgau. Der Wanderweg vom Bahnhof zum Rhein folgt der Stadtmauer und passiert die Burg Unterhof mit ihrem markanten Turm. Bald steht man vor den Mauern des ehemaligen Klosters St. Katharinental. Die imposante Anlage beherbergt heute eine Rehabilitationsklinik. Die barocke Klosterkirche lädt zu einem Abstecher ein. Der nächste Wegabschnitt steht im Zeichen des Naturwaldreservats Schaare. Auengebiete, Moore, Tümpelchen, eine artenreiche Tier- und Pflanzengemeinschaft und eine historische Festung gibt es hier zu entdecken. Der schmale Weg schlängelt sich mal am Ufer des Rheins entlang, führt dann wieder tiefer in den Wald. Über den Fluss geht es bei der zweiten ehemaligen Klosteranlage des Tages, in Altparadies. Eine Glocke am Steg ruft den Fährmann, und in schneidiger Fahrt ist das andere Ufer bei Büsingen erreicht. Der Ort gehört politisch zu Deutschland, ist aber ganz von der Schweiz umschlossen. Mehrere Versuche für einen Staatswechsel scheiterten. Zu Fuss ist der Staatswechsel einfacher ausführbar, und alsbald findet man sich im Lindli Rheinuferpark wieder, in einer beliebten Grünanlage Schaffhausens. Die Stadt hat mit dem Salzhandel ihre Hochblüte erreicht, die stattlichen, bestens erhaltenen Häuser und ihre Erker zeugen bis heute davon. Ein Bummel durch die Altstadt beschliesst den Wandertag.
In der stadtnahen Natur an der Aare Nr. 2325
Bern Felsenau • BE

In der stadtnahen Natur an der Aare

Am Startpunkt dieser gemütlichen Rundwanderung, bei der RBS-Bahnstation Felsenau, ist man noch mitten in der städtischen Zivilisation. Über dem Kopf den Autobahnviadukt, vor den Augen die Schnellstrasse, im Rücken die Stadt Bern. Aber es braucht nur ein paar Schritte durch eine Art Unterführung, und schon kann man erahnen, was diese ganzjährig schöne Wanderung im Frühjahr ausmacht: die Variation von Grüntönen im Wechselspiel von Aare und Bremgartenwald. Der Weg führt zuerst hinunter zur Aare und dort über den schmalen Seftausteg ans andere Ufer. Erst 2025 wurde dieser Uferabschnitt renaturiert. Schon bald gerät flussabwärts die imposante Halenbrücke, die den Fluss auf 40 Metern Höhe überquert, ins Blickfeld. Es geht weiter über einen breiten, nicht asphaltierten Weg durch unbebautes Gebiet. Nach knapp einer Stunde erreicht man grün überwucherte Wohnsiedlungen. Die Überbauungen Aumatt und Schlossmatt, erbaut ab den 1980er-Jahren, gehören zu den ersten Berner Siedlungen, mit denen urbanes, gemeinschaftliches Lebensgefühl in die Agglomeration verlagert wurde. Auf dem Lochmattsteg, der zurück ans andere Ufer führt, vermitteln die Wohntürme des Kappelenrings am Horizont Grossstadtgefühle, während unter den Füssen die Aare träge ins Naturparadies Wohlensee fliesst. Der Weg führt nun aareaufwärts leicht ansteigend und schattig zurück. Einmal öffnet sich Richtung Aare eine grosse, aussichtsreiche Lichtung. Hier befindet sich die Ethologische Station der Universität Bern, wo unter anderem soziale Verhaltensexperimente mit Wanderratten durchgeführt werden. Gleich darauf wird man wieder vom Wald verschluckt. Nach einem kurzen Anstieg quert man den überraschend steilen Glasgrabe. Bald erreicht man die Abwasserreinigungsanlage Neubrück – und damit die Zivilisation. Wenige Minuten später steht man wieder am Ausgangspunkt.
Sonnige Uferwanderung entlang der Reuss Nr. 2324
Hünenberg, Dorf — Maschwanden, Dorf • ZG

Sonnige Uferwanderung entlang der Reuss

Dass es im Schweizer Mittelland und in den breiten Alpentälern unterdessen rund 5000 Biber gibt, ist keine Selbstverständlichkeit: Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Nagetier in der Schweiz vollständig ausgerottet. Erst im 20. Jahrhundert ist der Biber wieder angesiedelt worden und breitet sich seither kontinuierlich aus. Seit 2010 ist er auch im Kanton Zug ansässig – insbesondere im Gebiet Ennetsee zwischen Reuss und Zugersee, wo diese Wanderung situiert ist. Von der Bushaltestelle «Hünenberg, Dorf» führt der Wanderweg zunächst durchs Quartier und dann zur frei zugänglichen Burgruine – dem historischen Ursprung Hünenbergs. Nach einem Abschnitt durch schattigen Wald entlang des Drälikerbachs geht es auf einem Feldweg über die Reussebene Richtung Fluss weiter. In der Ferne erhebt sich die Silhouette des Pilatus. Ist man am Reussufer angekommen, folgt der Wanderweg stets dem Fluss – entweder auf dem Damm oder ufernah. Es ist heiss hier, die Wanderung empfiehlt sich deshalb am Morgen oder gegen Abend. Die Uferzone ist geprägt von Weiden, Erlen, Sanddorn und Wiesenblumen. Wer aufmerksam ist, entdeckt lauter angenagte Baumstämme – Spuren des Bibers. Bei der geschichtsträchtigen Reussbrücke auf Höhe Zollweid bietet das Restaurant Zollhuus eine Rastmöglichkeit. Auf dem Damm fahren hier auch Velos – der markierte Wanderweg führt deshalb ufernah weiter. Immer wieder laden lauschige Plätze zum Verweilen oder Füssebaden ein. Am Ende führt der Pfad durchs Naturschutzgebiet Maschwander Allmend. Wer möchte, kann noch bis zum Rüssspitz weiterlaufen – dem Punkt, wo Reuss und Lorze zusammenfliessen. Der offizielle Wanderweg führt auf direktem Weg nach Maschwanden, vorbei am idyllischen Naturbad und hinein ins beschauliche Dorf auf Zürcher Seite.
Industriegeschichte am Zugersee Nr. 2323
Zug, Brüggli — Hagendorn, Lorzenmatt • ZG

Industriegeschichte am Zugersee

Zug ist vor allem bekannt für seine Kirschtorte und die vielen Briefkastenfirmen. Dass der kleine Zentralschweizer Kanton bereits Mitte des 19. Jahrhunderts zu den am stärksten industrialisierten Regionen des Landes gehörte, wissen viele nicht. Hier entstanden Spinnereien, Papier- und Maschinenfabriken sowie Grossmolkereien. Als Energiequelle diente das Flüsschen Lorze, das am Rande der Stadt Zug in den Zugersee mündet und ihn bei Cham wieder verlässt. Auf dem insgesamt 30 Kilometer langen Industriepfad Lorze kann die Entwicklung von Zug zu einem der reichsten Kantone der Schweiz nachverfolgt werden. Die Bushaltestelle «Zug, Brüggli» liegt praktisch unmittelbar an der Lorze-Mündung. Der Wanderweg führt hier westwärts dem Seeufer entlang, vorbei an Badewiese und Campingplatz in Richtung Cham. Bei Chollermüli hat die Alte Lorze ein grosses Delta aufgeschüttet, wo heute gebadet und grilliert werden kann. Weiter verläuft der Weg der Bahnlinie entlang bis in den Hirsgarten, einen Park am See bei Cham. Nun folgt die Wanderung der Lorze flussabwärts, mitten durch die stark wachsende Gemeinde Cham. Nach der alten Hammerschmiede, die heute ein stattliches Anwesen ist, wird es weniger städtisch. In der idyllischen Flusslandschaft finden sich auch immer wieder Anlagen zur Stromgewinnung. Bei Rumentikon verlässt der Weg das Flussufer und führt durch das Dorf und über Wiesen bis zum Zisterzienserinnenkloster Frauenthal. Es ist das älteste seiner Art in der Schweiz, heute noch in Betrieb und kann besucht werden. Zurück nach Hagendorn und zur Bushaltestelle «Lorzenmatt» geht es auf der anderen Seite der Lorze, teilweise der wenig benutzten Landstrasse entlang. Kurz vor dem Ziel gibt es noch einen frühen Zeugen der Wasserkraftnutzung zu bestaunen: die Rekonstruktion eines römischen Wasserrades, mit dem hier vor fast 2000 Jahren Korn gemahlen wurde.
Orchideen auf dem Weg zum Wildspitz Nr. 2322
Goldau, Sportplatz — Unterägeri, Chlösterli • SZ

Orchideen auf dem Weg zum Wildspitz

Orchideen gehören mit ihren oft extravagant geformten Blüten zu den schönsten Entdeckungen am Wegrand. Dazu kommt, dass viele der 70 Schweizer Arten nur selten anzutreffen sind. Eine der schönsten Orchideen ist der Gelbe Frauenschuh. Sein grosser, intensiv gelber «Schuh» und die drei schmalen, purpurbraunen Blütenblätter bilden ein kontrastierendes Blütenpaar. Ein lohnender Ort, den seltenen Frauenschuh zu sehen, ist das Bergsturzgebiet oberhalb von Goldau SZ; die Blütezeit liegt je nach Jahr zwischen Mitte Mai und Ende Juni. Nach dem Niedergang der Felsmassen 1806 konnte sich stellenweise ein lichter Wald bilden, in dem der Frauenschuh die richtigen Bedingungen findet. Damit die Pflanzen überleben und sich auch vermehren können, ist es wichtig, sie aus etwas Distanz zu betrachten, damit der Boden um sie herum nicht verdichtet wird. Insgesamt gedeihen im Gebiet etwa 30 Orchideenarten, und auch seltene Schmetterlinge wie der Gelbringfalter und Vögel wie die Zippammer und der Wanderfalke leben hier. Die Wanderung beginnt in der Nähe des Natur- und Tierparks Goldau. Von hier führt die Wanderlandroute Nr. 828 «Goldauer Bergsturzspur» durch den Wald in die Höhe. Auf etwas über 900 m ü. M. ist ein Rundweg angelegt, auf dem man einige schöne Frauenschuh-Horste sieht. Dann geht es einer Krete entlang auf den Gnipen und zum Wildspitz, dem mit 1580 m ü. M. höchsten Punkt im Kanton Zug. Gleich unterhalb des Gipfels steht das Berggasthaus Wildspitz mit einer grossen Aussichtsterrasse und einem tollen Blick über den Lauerzersee und auf die Innerschweizer Alpen. Wer hier übernachtet, kann sich auf einmalige Lichtstimmungen bei Sonnenunter- und -aufgang freuen. Vom Wildspitz geht es via Punkt 1282, Alpli, Buschenchappeli und Zittenbuech nach Unterägeri, Chlösterli hinab.
Frühlingswanderung durch Moränenlandschaft Nr. 2321
Menzingen, Dorf — Sihlbrugg, Dorf • ZG

Frühlingswanderung durch Moränenlandschaft

Einen Pakt mit dem Teufel hätten sie geschlossen, die Bauern aus Menzingen. Sie wollten mehr Land, und der Teufel habe über Nacht die vielen Rundhöcker geformt, die nun die Landschaft zwischen Menzingen und Sihlsprung prägen. Doch die Bauern merkten rasch, dass sie betrogen worden waren. Die steilen Hänge waren schwierig zu bewirtschaften. Also ärgerten sie den Teufel und setzten auf jede Kuppe eine Linde. So zumindest erzählt es die Sage. In Wirklichkeit haben die sich zurückziehenden Gletscher von Reuss und Linth die einzigartige Moränenlandschaft von nationaler Bedeutung geformt. Und die mittlerweile mehrere Hundert Jahre alten Linden wurden gepflanzt, wenn auf einem Hof ein Stammhalter geboren wurde. Von Menzingen schlängelt sich der Wanderweg malerisch zwischen den Moränenhöckern durch – und auch mal darüber, weshalb man zwischendurch ordentlich ins Keuchen kommt. Wunderschöne Hochstammobstbäume und stattliche, gepflegte Höfe prägen das Bild; das Panorama reicht vom Säntis über die Churfirsten bis zur Rigi. Holzhäusern, Winzwilen und Schwand heissen die Wegpunkte unterwegs, danach gehts ordentlich bergab, am Fischrestaurant Sihlmatt vorbei zum Sihlsprung. Die Sihl rauscht hier wild und laut durch die enge Schlucht. Ein kurzer Tunnel schützt den Wanderweg vor Steinschlag. Von der schmalen Brücke, die auf die andere Flussseite führt, hat man einen tollen Blick auf das schäumende Wasser. Lauschig schlängelt sich nun der Weg fast bis zum Schluss der Tour dem Fluss entlang. Immer wieder laden kleine Buchten zum Bad und zur Rast. Kurz vor Sihlbrugg ändert die Welt; viel befahrene Strassen, Industriebauten, Autogaragen und Tankstellenshops übernehmen. Dazwischen hat es noch Platz für die Haltestelle des Busses, der einen nach Baar an den Bahnhof bringt.
Wilde Wasser auf der Via Albula Nr. 2339
Preda — Spinas • GR

Wilde Wasser auf der Via Albula

Die Via Albula/Bernina führt auf ihrer sogenannten Königsetappe von Preda nach Spinas im Val Bever (GR). Beeindruckend ist die Alpseenlandschaft auf dem Crap Alv, spektakulär der Blick vor dem steilen Abstieg ins Val Bever. Die Wanderung startet in Preda, sieben Kilometer oberhalb von Bergün, das man mit dem Zug von Chur aus erreicht. Die Bahnlinie ist von der UNESCO als Welterbe zertifiziert, sodass schon die Anreise zur Wanderung ein Erlebnis ist. Vom Bahnhof Preda aus führt die Wanderung rasch in den Wald. Im Schatten steigt man auf in Richtung Albulapass, vorbei am lieblichen Palpuognasee. Wer bereits eine Pause einlegen möchte, findet hier viele schöne Picknickplätze. Der weitere Weg führt mittels Holzstege über viele Bäche und über Alpweiden. Die Bäume lichten sich je weiter man ansteigt. Zweimal quert man die Passstrasse, bevor der Weg kurz vor der Passhöhe nach rechts in ein Seitental abzweigt. Hier eröffnet sich einem ein mit jedem Schritt fantastischerer Blick auf den Lajets digl Crap Alv. Der Bergsee liegt unter einem steil abfallenden Hang, und ist in eine hügelige, schroffe Alpinlandschaft eingebettet. Von hier aus nimmt man den Schlussanstieg zur Fuorcla Crap Alv unter die Füsse, ein stetiger Anstieg auf einem gut ausgebauten Weg. Richtiggehend spektakulär dann ist der Anblick in Richtung Engadin von der Fuorcla auf 2466 M. ü. M. aus. Der wilde Fluss Beverin schlängelt sich durch das Val Bever, soweit das Auge in beide Talrichtungen sieht. Steil abfallende Hänge und majestätische Gipfel runden das imposante Bild ab. Schnell ist aber wieder Konzentration statt Weitblick gefragt: Der Abstieg ins Tal ist nicht zu unterschätzen: Er ist steil, rutschig und exponiert und geht mit 700 Metern Höhenunterschied in die Beine. Belohnt wird man auf dem Talboden mit der idyllischen Flusslandschaft, die zum Picknicken und Kühlen der Füsse im wilden Beverin einlädt, bevor in Spinas die Wanderung endet und man wieder die Albulabahn besteigt.
Verschneite Hochebene im Domleschg Nr. 2310
Mutta • GR

Verschneite Hochebene im Domleschg

Dieser Name ist Programm: Der Panoramaweg Feldis im Domleschg bietet eine grossartige Aussicht in alle Himmelsrichtungen. Der präparierte und signalisierte Winterwanderweg ist als Rundweg angelegt. In leichtem Auf und Ab, jedoch ohne grosse Höhendifferenzen führt er mehrheitlich über verschneites Weideland, zwischendurch auch durch kleine Waldgebiete. Ausgangspunkt ist die Bergstation der Sesselbahn von Feldis nach Mutta. Nimmt man die Runde im Uhrzeigersinn unter die Füsse, gelangt man zunächst zum Leg Palus. Von diesem gefrorenen Bergsee reicht die Aussicht bis zu den markanten Felswänden der Drusenfluh im Prättigau. Wunderbare Bergstille erlebt man auf dem nächsten Abschnitt. Sanft senkt sich der Weg zur Skihütte Term Bel. Ebenen Wegs geht es weiter zur Alp dil Plaun, wo das Panorama wechselt. Jetzt dominieren Heinzenberg und Piz Beverin den Horizont. Eine Aussichtsbank unweit der Alphütte bietet Gelegenheit, den prächtigen Ausblick ins Domleschg zu geniessen. Sollte sie bereits besetzt sein, braucht man nicht zu verzagen: Etliche weitere Sitzbänke säumen den Weg zur Skihütte Feldis. Kurz vor dem Ausgangs- und Zielpunkt der Rundtour befindet sich die Berghütte der Alp Raguta. Vor der Terrasse des Selbstbedienungsrestaurants breitet sich die höchstgelegene Natureisbahn Europas aus. Nicht einmal zwei Stunden dauert die Wanderung, doch in dieser Zeit erlebt man eine Fülle von prachtvollen Ausblicken. Wer die Tour trotzdem zu lang findet, kann eine einfache Alternative nutzen: Ein kürzerer Rundweg führt von Mutta ebenfalls zunächst zum Leg Palus und von dort über Plaun Panaglia direkt zur Skihütte Feldis. Für die Talfahrt benutzt man entweder die Sesselbahn – oder eine der zwei Schlittelpisten, die von Mutta nach Feldis hinunter angelegt sind. Schlitten können im Sportgeschäft bei der Talstation gemietet werden.
Ohne Steigung zu den Simmenfällen Nr. 2309
Lenk im Simmental • BE

Ohne Steigung zu den Simmenfällen

Lenk verfügt über einen der schönsten Talabschlüsse der Alpen. Das mächtige Wildstrubelmassiv begrenzt den weiten Talboden an dessen südlichem Ende. Auf der Winterwanderung vom Dorf zu den Simmefäll hat man diese grossartige Kulisse immer wieder vor Augen. Der Ausgangspunkt des Winterwanderwegs befindet sich beim zentral gelegenen Kronenplatz unweit der Kirche. Der präparierte Weg führt quer über die Lischmatte zum Lenkersee – auf der Karte als Rohresee eingezeichnet –, wo zahlreiche Enten und andere Wasservögel den Umstand nutzen, dass ein Teil der Wasseroberfläche auch bei grösster Kälte eisfrei bleibt. Ein verschneites Flursträsschen führt weiter zum Weiler Ey und durch das Naturschutzgebiet Chlöpflisbergmoos an die Simme. Auf dem Uferweg gelangt man zum Gasthof Simmenfälle, wo die präparierte Strecke endet. Die Wasserfälle, denen das Hotel seinen Namen verdankt, sind im Sommer zwar deutlich mächtiger, wenn mehr Schmelzwasser fliesst, bieten aber auch im Winter einen schönen Anblick. Für die Rückkehr ins Dorf steht neben einer Busverbindung ein weiterer gespurter Winterwanderweg auf der gegenüberliegenden Talseite zur Verfügung. Er führt über das offene Gelände von Grossi Zälg zum Weiler Oberried und von dort zur Talstation Metschstand. An der Rohrbrügg vorbei wandert man dann auf einem Strässchen direkt der Simme entlang zurück zum Ausgangspunkt der Rundwanderung beim Kronenplatz. Speziell an dieser Tour ist, dass der hintere Teil im Winter aufgrund der topografischen Gegebenheiten während etlicher Wochen im Schatten liegt. Das mag auf Anhieb etwas unattraktiv klingen, erweist sich jedoch als Glücksfall. Dank der konstanten Kälte bleibt der Schnee in diesem Gebiet lange liegen, zudem werden Bäume und Sträucher mit filigranen Eisspitzen von Raureif überzogen. Wenn die Temperaturen genug tief sind, wird der Spaziergang auf dem Simme-Uferweg auf diese Weise fast wie zu einem erlebnisreichen Ausflug in die Arktis.
Kurzwanderung auf dem Simplonpass Nr. 2308
Simplon, Monte Leone — Simplon Dorf, Hospiz-Niederalp • VS

Kurzwanderung auf dem Simplonpass

Wie fest auch immer der Winter auf dem Simplonpass Einzug hält, die Passstrasse bleibt befahrbar. Dafür sorgt jede Nacht eine Patrouille des Pikettdiensts, die nach Bedarf Schneefräse und Salzstreuer aufbietet. Kehrt nach einer Sturmnacht also wieder schönes Wetter ein, fährt man mit dem Bus an meterhohen Schneewänden vorbei und ist bald auf dem Pass, um den kurzen Winterwanderweg vom Hotel Monte Leone bis zum Alten Spittel unter die Füsse zu nehmen. Der Weg führt über die präparierte Bergalpenstrasse. Die lärmige Passstrasse ist schnell vergessen, man taucht ein in die karge Landschaft, die rundherum eine imposante Sicht auf die zahlreichen Gipfel bietet. Der Weg schlängelt sich durch das vom Rhonegletscher geschaffene Trogtal, lichte Lärchenwälder prägen das Bild. Es geht gemütlich und sonnig abwärts zu den Weilern Blattu und Bielti, danach wird es flacher. Bald schon erblickt man das Barralhaus und das Alte Spittel. Ersteres ist ein mächtiges, mit einer Länge von 120 Metern und einem schmalen Grundriss sehr auffälliges Gebäude. Es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Ferienhaus einer Missionsgesellschaft erbaut. Das Alte Spittel war ab dem 17. Jahrhundert ein Schutzhaus für Säumer und Kaufleute. Es diente zeitweise als Sommerresidenz von Kaspar Stockalper, der den Simplon im 17. Jahrhundert zur wichtigsten Handelsroute zwischen Norditalien und Mitteleuropa ausbaute. Heute sind beide Gebäude Truppenunterkünfte des Schweizer Militärs. Schon bald ist man am Ziel. Wer einkehren mag, nimmt den Bus nach «Simplon Dorf, Post», wo die Bäckerei Arnold allerlei Feines zum Zvieri anbietet: vom traditionellen Roggenbrot über den Heidelbeerkuchen bis zu den Simpilär Härzjini, Guetzli nach dem hiesigen Ur-Rezept.
Schneeschuhrunde über die Lombachalp Nr. 2307
Habkern, Lombachalp-Roteschwand — Kemmeriboden • BE

Schneeschuhrunde über die Lombachalp

Der Blick verliert sich in Wogen von Nadelwäldern und Schneebergen. Kaum ein Gebiet, das sich für Schneeschuhtouren besser eignet als die weite Wanne der Lombachalp BE mit ihren sanften Hügelwellen – eine Wildruhezone, weshalb sich hier wunderbar Tiere beobachten lassen, man aber auch unbedingt auf den markierten Routen bleiben muss. Am besten, man steckt sich einen der Faltpläne ein, die am Startpunkt Lägerstutz auf der Lombachalp ausliegen. Darauf ist das Schutzgebiet mit den zwei Schneeschuhrouten genau eingezeichnet. Wer mag, trinkt vor dem Start einen Kaffee im Jägerstübli. Nun folgt man den pinken Signalisationsstangen nordwestlich bergwärts für die längere Route, die auf den Winterröscht führt. Dann geht es ganz gemütlich immer dem Kamm entlang zum Bolberg. Dort hält man sich rechts und stapft unterhalb des Kammes über den Widegg und Spychre nordöstlich abwärts in das Quellgebiet der Emme und steigt über die Alp Ällgäuli zur Hohganthütte auf. Die Route setzt sich nordöstlich im leichten Auf und Ab fort, um dann steil durch Wald abzusteigen. Am Scherpfeberg trifft man auf den im Volksmund sogenannten Römerweg, der links nach Kemmeribodenbad führt. An diesem abgeschiedenen Winkel bildet sich gerne ein Kältesee, im Winter empfangen eisige Temperaturen, und der letzte Abschnitt durch die Schlucht der Emme wirkt mit all den Eiszapfen fast wie eine Tropfsteinhöhle. Aufwärmen darf man sich dann im altehrwürdigen Gasthof Kemmeriboden-Bad, wo es grosse Meringue mit viel Rahm gibt.